Der Duft nach geröstetem Malz stieg Al in die Nase, als er den Verkaufsraum der Brauerei betrat. Rarlu, die Frau des Braumeisters Breo, stand hinterm Tresen und studierte ein Rechnungsbuch, während ihre beiden Kinder die Regale mit den Flaschen auffüllten und sortierten.
“Einen wunderschönen guten Tag, Rarlu.”
Rarlu musterte Al wie immer - als den grobschlächtigen Freund ihres Mannes, der für kleine Probleme sorgte, zu denen man sich dann abends im Ehebett aussprach, anstatt sich den ganzen Abend leidenschaftlich miteinander zu beschäftigen.
“Ist deine Schwägerin da?”
Rarlu hob eine Augenbraue. Nach Kira verlangte Al sonst eher selten bis gar nicht.
Sie rief nach hinten in die Brauerei: “Kira, Al Stergask ist hier und möchte mit dir sprechen.”
Statt Kira steckte aber zuerst Rarlus Mann Breo seinen Kopf durch die Tür.
“Mensch Al, was führt dich hierher, du willst Kira sprechen? Sie ist gleich hier. Aber ich muss dich warnen – falls du sie heiraten möchtest, solltest du zuerst mich fragen. Aber selbst, wenn ich dafür bin, räume ich dir relativ wenige Chancen ein. Ich bin mir sicher, dass sie etwas mit unserem Kutscher Igon hat - auch wenn sie es vor mir geheim hält; Das ist auch gut so, ich kann es gar nicht ab, wenn meine kleine Schwester unverheiratet und jung wie sie ist, hier rummacht. Was sollen denn die Leute von uns denken?”
Breo holte einmal tief Luft. Al fragte sich, ob sein Freund während seines Monologs überhaupt geatmet hat, so schnell hintereinander sind die Worte aus ihm raus gesprudelt. Rarlu hatte ist dabei mit ihren Kindern verschwunden, sie hat wohl Befürchtungen, dass wieder Dinge besprochen werden, die nicht für die Ohren der beiden sind.
In diesem Augenblick kam auch Kira durch die Tür.
“Die Leute denken, dass ich die Jungfrau bin, nach der diese Brauerei benannt ist – wenn es nach dir geht. Aber eigentlich kann den Job ja auch deine Tochter übernehmen.”
“Kira, sie ist erst ….”
Kira ignorierte den Einwurf ihres Bruders und begrüßte Al. Sie ist mit ihm bei weitem nicht so eng befreundet wie ihr Bruder. Aber sie sind alle zusammen im Jungfernrund aufgewachsen und haben eine Menge gemeinsamer glücklicher Erinnerungen.
Mit ihrem unschuldigsten Lächeln fragte sie nach Al’s Anliegen.
“Ich wollte dich fragen, ob du mich und meine Freunde bei unserem neuen Geschäft unterstützen möchtest.”
Al beobachtete mit Erschrecken, dass sich Breos Gesichtszüge verfinsterten.
“Ich meine, eigentlich wollte ich euch beide fragen, aber du bist ja doch sehr mit deiner Familie hier eingebunden. Meine Freunde und ich haben einen Laden im Hafenviertel übernommen und brauchen jemanden, der sich mit Buchhaltung, Ein- und Verkauf auskennt und eine gute Figur hinterm Tresen macht.
Breo muss kurz lachen, fing sich aber wieder ein.
“Da komm ich wohl eher nicht in Frage - aber meine Schwester gehört zum Jungfernblut. Wie stellst du dir das vor - dass sie einfach ihre Wurzeln aufgibt?”
Kira und Breo schauten beide Al an. Breo eher verärgert, Kira neugierig, ob Al sich das überhaupt Gedanken darüber gemacht hat. Als Al auch nach zwei Augenblicken anfing, irgendetwas mit “Ähm, naja…” zu stammeln, ging sie um den Tresen und stellte sich neben den Stergask.
“Ich bin interessiert. Als Al hier seine Zelte abgebrochen hat, war ich durchaus beeindruckt und habe mich gefragt, warum ich nicht auch in ein Abenteuer ziehe. Aber du hast vollkommen recht Bruderherz, ich bin Teil des Jungfernblutes, egal wo ich hingehe.
Was haltet ihr davon: Ich fange bei Al und seinen Kumpanen an, aber weiterhin unter dem Label Jungfernblut. Breo, du belieferst dieses Lokal mit unseren gängigsten Bieren und du Al, wirst keine anderen Brauereien unter Vertrag nehmen. Igon wird dann jeden zweiten oder dritten Tag vorbeikommen und die Vorräte auffüllen.
Hier vor Ort kannst du endlich deine Kinder in die Braukunst einführen. Auch wenn Sie noch keine Getreidesäcke oder Bierfässer schleppen können, die Feinheiten in der Rezeptur sollten Sie schon lernen und umsetzen können.”
Breo sah erst etwas entsetzt aus, aber je länger der Gedanke in ihn eindrang, desto klarer und verständiger wurde seine Miene.
“Ich weiß, du musst das erst mit Rarlu besprechen. Aber ich bin mir sicher, dass sie Verständnis hat. Vielleicht findet sie es sogar gut, wenn die Kinder sich nicht mehr nur im Verkaufsraum beschäftigen.”
Breo atmete ein weiteres Mal tief durch. “Okay ich werde darüber schlafen.”
Rarlu
Breo
Al Bear
Kira
Igon